Großübung in Blaibach Wie schon in letzten Jahr, so wurde auch heuer vom Kreisfeuerwehrverband Cham eine
Herbstschulung für die Feuerwehren des Landkreises angeboten, welche am 2.
Oktober in Blaibach durchgeführt wurde. Ausrichter war wiederum die
Feuerwehr-Inspektion Kötzting in enger Zusammenarbeit mit dem
BRK-Rettungsdienst im Landkreis Cham. Die Theorie: Bereits um 8 Uhr morgens konnte
Kreisbrandrat Johann Weber zahlreiche Ehrengäste, darunter die
Kreisbrandräte aus den Landkreisen Schwandorf und Straubing-Bogen,
Vertreter der Regierung, des Landratsamtes Cham, der Polizei und des BRK, sowie
die Referenten begrüßen. Leider hat die Zahl der Besucher der Feuerwehren des
Landkreises die Erwartungen nicht ganz erfüllt, da nur ca. 250 Personen die
weiteren Ausführungen verfolgten. Nach einem kurzen Grußwort des Bürgermeisters dem Gemeinde
Blaibach, Herrn Ludwig Baumgartner, begann der erste Vortrag von Löschmeister
Ulrich Licht (FF Neu-Ulm) welcher als Mitarbeiter der Firma Evo-Bus, einem
Bushersteller aus Stuttgart, prädestiniert ist für das Thema "Aufbaukonstruktion eines
Omnibusses". Aufgrund der Tatsache, dass 67 % der bei Busunfällen
getöteten Personen bei einem Überschlag ums Leben kamen, hat der Gesetzgeber
in der Richtlinie ECE-R66 eine definierte Überschlagfestigkeit und seit 1999
die Gurtpflicht in Bussen eingeführt, wodurch die passive Sicherheit deutlich
erhöht werden konnte. Intensiv wurden die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten für
die Feuerwehr besprochen, welche neben den Fahrgasttüren auch über die Dachluken
oder Fenster einsteigen kann. Abschließend ging er noch auf den Aufbau
der Busse ein, welcher heutzutage in Form einer ausgesteiften Rahmen-Konstruktion
ausgeführt wird. Dies hat zur Folge, dass bei Abstützungs- oder Bergemaßnahmen
dies nur an bestimmten Stellen ( z.B. im Achsbereich) gefahrlos möglich ist. Hauptlöschmeister Ludwig Fuchs von der Berufsfeuerwehr
Augsburg erläuterte in seinem informativen Vortrag die besonderen
Einsatztechniken und die -taktik bei Busunfällen. Er verwies auf die
Wichtigkeit der Raumaufteilung bei Großschadensereignissen, um den zahlreichen
Hilfskräften eine geordnete Arbeit zu ermöglichen. Als letzter Referent am Vormittag gab der
BRK-Rettungsdienstleiter Michael Daiminger Einblicke in die Problematiken und
den Arbeitsablauf im Rettungsdienst bei derartigen Unfällen. Nach dem Kreisbrandrat Weber den drei Referenten für ihre
Fachvorträge gedankt hatte, konnten die Teilnehmer ihre Mittagspause genießen,
bevor sich alle auf der Umgehungsstraße von Blaibach, auf Höhe eines
Lebensmittelmarktes zur praktischen Einsatzübung trafen. Die Praxis: Angenommen wurde die Schleuderfahrt eines Omnibusses, welcher
anschließend umstürzt und mit der rechten Breitseite quer über die Fahrbahn
zu liegen kommt. Die Fa. Schmid aus Bärndorf hatte dafür einen ausrangierten
und bereits "trockengelegten" Omnibus zur Verfügung gestellt. Kreisbrandrat Johann Weber und der Rettungsdienstleiter aus
Kötzting, Walter Menacher, kommentierten für die zahlreichen Zuschauer den
Übungsablauf über eine Lautsprecheranlage. Pünktlich um 13 Uhr erfolgte die Alarmierung der Feuerwehren
und des BRK-Rettungsdienstes. Die Ortsfeuerwehr aus Blaibach traf natürlich als
erste am Einsatzort ein. Nach einer kurzen Erkundung durch den Gruppenführer
und stv. Kommandanten Stefan Zollner ließ dieser die Absicherung der
Einsatzstelle und die Errichtung des Brandschutzes durch den Aufbau von zwei C-
und einem Schaumrohr durchführen. Zusätzlich wurden leichtverletzte und
herumirrende Businsassen versorgt und die nachfolgenden Fahrzeuge eingewiesen. Während die inzwischen eingetroffenen, ersten Kräfte des BRK
sich ein Bild der Lage innerhalb des Busses machten und mit der Erstversorgung
der Verletzten begannen, wurden von den nachfolgenden Wehren mehrere
hydraulische Rettungssätze und Hilfsmaterial zur Befreiung eingeklemmter
Personen in die Bereitstellungsräume vorgenommen.
In Absprache mit dem Rettungsdienst veranlasste der Abschnittsleiter für die
Personenbefreiung, Kommandant Alexander Beier (FF Miltach), die Öffnung des
Busses über die beiden Frontscheiben. Alle Feuerwehrkameraden, welche nicht mehr für andere
Arbeiten benötigt wurden, meldeten sich bei Christian Ellmann (Kommandant der
FF Chamerau), welcher als weiterer Abschnittsleiter für die Unterstützung des
Rettungsdienstes zuständig war und die Kräfte als Träger für den
Verletztentransport zuwies. Nach der Befreiung der nicht eingeklemmten Personen aus dem
Bus musste mittels zweier Schneidgeräte einige Sitzbänke abgetrennt werden um
an die dort verkeilten Personen zu gelangen. Da ein Verletzter nur auf äußerst schonender Weise aus dem
Bus gerettet werden sollte, wurde ein Fensterholm entfernt und die Trage mit
Hilfe der Drehleiter der FF Kötzting aus dem Omnibus gehoben. Neben den zahlreichen Fahrzeugen des BRK war auch der
Rettungshubschrauber Christoph 15 zur "Einsatzstelle" geflogen um
ebenfalls den Abtransport schwer verletzter Businsassen zu unterstützen. Nach etwa einer Stunde waren alle Bus-Passagiere aus dem
Unfallfahrzeug befreit und befanden sich - entsprechend der Schwere ihrer
Verletzungen - in einem der vier Behandlungs- und Versorgungsräumen. Von
hier wurde dann der weitere Abtransport in die verschiedenen Kliniken
organisiert. Alle Führungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, wie
auch die zahlreichen Zuschauer zeigten sich sehr zufrieden und beeindruckt vom
reibungslosen Ablauf dieser Großübung. Es zeigte sich, dass eine
disziplinierte und geordnete Arbeit schnell und zuverlässig zu einem sehr guten
Ergebnis führt. (Bericht und Bilder von Fabian Fischer, Webmaster Webseite der Inspektion Kötzting)

Herr Licht wies auf die verschiedenen Gefahren hin, welche heutzutage in den
Fahrzeugen zu finden sind, neben 600 bis 800 Liter Dieselkraftstoff befinden sich
gegebenenfalls ein weiterer Heizöltank, 35 Liter Schwefelsäure in den
Batterien, Monitore, Mikrowellengeräte, Boiler, bis hin zu
Geschirrspülmaschinen, Kohlensäureflaschen, oder 220 Volt-Generatoren im
Fahrzeug.
Weiterhin wies er auf die vorhandenen Sicherheitseinrichtungen hin, wie z.B.
Nothämmer, Feuerlöscher, Sanitätskästen und Nothebel für die Bedienung der
Türen bei Ausfall der pneumatischen Öffnungsmechanismen.
Aus diesem Grund sollte in einem Umkreis von ca. 5 Metern um den Schadensort der
sogenannte Arbeitsbereich festgelegt werden, welcher nur für die zu
erledigenden Arbeiten von den Hilfskräften betreten wird. Dahinter erstreckt
sich über 10 bis 20 Meter die Bereitstellungszone. Desweiteren sind die Plätze
zur Verletztenablage, Hubschrauberlandeplätze, für die Geräteablage usw.
festzulegen.
Als unabdingbar sah Fuchs auch die intensive Absprache mit den Einsatzleitern der
weiteren Hilfsorganisationen, wie z.B. Rettungsdienst und Polizei, mit denen
sinnvoller Weise bereits im Vorfeld entsprechende Konzepte für derartige Einsätze zu erstellen
wären.
So sei die Bewältigung eines Schadensereignis mit mehr 10 Verletzten für das
BRK schon sehr
schwierig, da hierfür bereits alle landkreiseigenen Ressourcen aufgebraucht
sind und man externe Kräfte anfordern muss.
Am Unfallort selbst wird nach den elementaren Sofortmaßnahmen an Ort und Stelle die geordnete
Patientenrettung durchgeführt, wonach die Aufteilung der Verletzten auf die
vier eingerichteten Behandlungs- und Versorgungsräume erfolgt. Von hier aus
wird der Abtransport in die verschiedenen Krankenhäuser durchgeführt.
Daiminger bat dabei die Feuerwehren auch um personelle Unterstützung in Form
von Trägern, da die Hilfskräfte des Rettungsdienstes dafür kein weiteres
Personal abstellen können.
Da es bei einer großen Zahl von Verletzten elementar wichtig ist die
Personalien aller Verunglückten festzustellen, sind auch alle Leicht- und
Unverletzte zur sogenannten Sichtungsstelle zu bringen.









